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Archiv: Wer & Was & Wann
Gäste und Themen beim TiB
25. September 2006

Prof. Werner Franke

Molekular-Biologe

Die Doping-Seuche

Von Tricksern, Täuschern und Taschenspielern

Die Radfahrer Jan Ullrich, Floyd Landis, Ivan Basso - der Leichtathlet Justin Gatlin, der gerade zu acht Jahren Sperre verurteilt worden ist: die prominentesten unter den Hochleistungssportlern, die in der vergangenen Monaten des Dopings überführt oder verdächtigt und aus dem Verkehr gezogen worden sind. Spitzenleute allesamt, diese fünf, die jetzt die lange Liste derer auffüllen, die mit verbotenen leistungsfördernden Mitteln versucht haben bzw. versucht haben sollen, zu Erfolgen und Rekorden zu kommen. Dabei grassiert die Seuche Doping schon lange im Hochleistungsbereich, aber zunächst hat kaum jemand etwas dagegen unternommen. Erst nachdem die Kugelstoßerin Brigitte Berendonk, Ehefrau von Werner Franke, Anfang der 70er Jahre das Thema durch einen Zeitungsartikel einer breiteren Öffentlichkeit nahe gebracht hatte, begann langsam die Sensibilisierung dafür, dass in manchen Sportarten offenbar viel Chemie im Spiel ist, viel Betrug, viel Unlauterkeit. Vor allem bei Leichtathleten und Schwimmern wurde gedopt auf Teufel komm raus, und so mancher Teilnehmer der Tour de France galt schon damals als "radelnde Apotheke". Viel hat sich seitdem - gerade im Radsport - nicht verbessert, im Gegenteil.Epo, Testosteron, HGH, Blutdoping, Anabolika: Wer kennt die Namen, nennt die Medikamente, die zur Leistungssteigerung und damit zum Sportbetrug eingesetzt werden? Gegen diesen Betrug kämpft Werner Franke seit drei Jahrzehnten mit aller Macht an. Er ist der Anti-Doping-Experte in Deutschland schlechthin, hat damals die ersten Anabolikafälle in der Bundesrepublik, später das flächendeckende Dopen der DDR-Sportärzte bekannt gemacht und sich gerade für die jungen Schwimmerinnen eingesetzt, die bereits im Kindesalter medikamentös manipuliert worden waren und oft schwere gesundheitliche Schäden erlitten haben.In letzter Zeit hat Franke wieder für Schlagzeilen gesorgt mit dem Strafantrag, den er gegen Jan Ullrich eingereicht hat wegen dessen offensichtlicher Verstrickung in den Skandal um den spanischen Arzt Fuentes und einen damit verbundenen Meineid.Was seinen Versuch angeht, den Sport im Hochleistungsbereich sauberer zu machen, ist Werner Franke kompromisslos. Dabei ist ihm, wie er im Interview mit dem SPIEGEL im August gesagt hat, völlig klar, dass "die Art und Weise der Tests nach wie vor völlig lückenhaft, dilettantisch und unintelligent" ist und dass auch weiterhin viele gedopte Sportler nicht erwischt werden können.Was ihn für seinen jahrzehntelangen Kampf gegen das Doping motiviert, welche Sportarten seiner Meinung nach total dopingverseucht sind, wie oft und von wem er wegen seiner Enthüllungen bereits verklagt (aber nie dafür verurteilt worden) ist und wie seiner Meinung nach ein effektives, weltweites Testsystem aussehen müsste, auf all das ist Werner Franke im Bocksaal eingangen. Er hat ein grelles Licht auf eine zweifelhafte Hochleistungsszene geworfen sowie Namen und Fakten genannt, die viele Sportanhänger nachdenklich gemacht haben.


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