31. Januar 2022 – Festhalle Leutkirch, Einlass ab 19 Uhr, Beginn 19.30 Uhr

Thomas Lämmle

Alpinist und Sportwissenschaftler

Leben nach dem Sturz

Im Rollstuhl aus der Klinik, an Krücken auf den Kilimandscharo

Wenn der Waldburger Thomas Lämmle, 56, nicht auf Berge steigen kann, erscheint ihm das Leben weniger lebenswert. Nur wenige Menschen verstehen die menschliche Leistungsfähigkeit in extremer Höhe wohl besser als der Sportwissenschaftler, der für die Universität Innsbruck zahlreiche Studien anstellte. So untersuchte er beispielsweise auch, wie man den Sauerstoffgehalt im Blut allein mit der Atmung verbessern kann, wenn die Luft immer dünner wird. Wie effektiv die von ihm entwickelte Atemtechnik ist, beweisen seine Aufstiege auf mehrere 8000-er wie den Mount Everest – und zwar ohne zusätzlichen Sauerstoff.

 

2020 trifft den Extrembergsteiger allerdings ein Schicksalsschlag: Bei einem ganz normalen Gleitschirmflug von seinem Trainingsberg, dem Hochgrat, gerät er in eine Luftwalze und wird direkt nach dem Start mit voller Wucht gegen den Berg geschmettert. Das Becken wird beim Aufprall gesprengt, das Kreuzbein zertrümmert. Er verliert vier Liter Blut innerlich. Die Ärzte geben ihr Bestes, um Lämmle vor dem Tod zu bewahren. Als er nach stundenlanger Operation aufwacht, spürt er seine Beine nicht mehr. Die Verbindung zwischen Rückenmark und Beinmuskulatur ist unterbrochen. Ob er je wieder wird laufen können, ist fraglich. Monate später wird er das Krankenhaus im Rollstuhl verlassen.

 

Nun, da er nicht mehr auf Berge steigen kann, ringt Thomas Lämmle mit sich um den Sinn des Lebens. Die Situation, in der er sich befindet, kann er nicht akzeptieren. Er tut das, was er sein ganzes Leben lang getan hat: trainieren. In der Reha erlernt sein Gehirn das Laufen neu, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Dann meldet sich ein Fuß mit Schmerzen zurück – ein Hoffnungsschimmer! Lämmle trainiert weiter. So lange, bis er auf wackligen Armen, knarzenden Krücken und nur einem voll funktionsfähigen Bein den nur 30 Meter hohen Kohlenberg in seinem Heimatort Waldburg besteigen kann. Was früher zwei Minuten dauerte, verlangt ihm jetzt zwei Stunden ab. Aber egal, er schafft es bis nach oben. Nun, da der erste Gipfel nach dem Unfall bestiegen ist, setzt er sich ein neues Ziel: Er will wieder den liebgewonnenen Kilimandscharo in Tansania besteigen, auf dessen Gipfel er bereits 62 mal stand, und wenn es nur mit Krücken geht, dann ist das eben so.

 

Am 1. September steht Lämmle dann wieder auf dem 5895 Meter hohen Uhuru Peak. Wie er es geschafft hat, aus dem Rollstuhl wieder auf die Füße zu kommen und wie er mit Krücken auf den höchsten Berg Afrikas gestiegen ist, darüber spricht Nina Poelchau mit Thomas Lämmle am Montag, 31. Januar 2022 in der Leutkircher Festhalle.

 

Fotos: Michael Scheyer