18. Mai 2009

Barino Barsoum

Student und Konvertit

Einmal Islam und zurück

Wie ein Radikalisierter vom Glauben abfiel

Barino Barsoum, 24 Jahre alt, ist ein junger Mensch mit einer ungewöhnlichen Geschichte. Eine Geschichte über den Glauben und den Abfall vom Glauben. Eine Glaubensgeschichte, die mit dem Christentum im Elternhaus beginnt ("Meine Eltern sind zwar nominell Christen, Religion war aber bei uns nie ein Thema. Ich wurde auch nicht getauft."), dann in den Islam führt und von dort wieder zurück. Eine Geschichte mit gewaltigen Brüchen. Erst hat Barino sich radikalisiert, dann hat er den Islam gleich ganz verlassen. Und am Ende hat er sich zum Christen taufen lassen.Barinos Vater ist Ägypter und koptischer Christ. Er hat muslimische Freunde, und die machten Barino mit dem Islam vertraut. Als 18-jähriger sprach er das islamische Glaubensbekenntnis. Die Abu-Bakr-Moschee in Köln, für radikale Tendenzen bekannt, wurde seine Heimat. Und schnell, vielleicht zu schnell, um es selbst zu bemerken, wurde aus dem einfachen Gläubigen ein Islamist. Zwar plante niemand Terroranschläge. Aber Barino war damals überzeugt: "Gewalt ist im Islam, so steht es in den Quellen, ein legitimes Mittel - die Frage ist nur: Wann und wo und gegen wen?" Für diese Aussage wurde gegen ihnein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung eröffnet.Barino studierte den Koran und die Aussprüche des Propheten, und da er Muslim war, musste er sie ja für wahr halten und wörtlich nehmen. Kein Komma dürfe er anzweifeln, trichterte man ihm ein. Doch ab und an beschlichen ihn Zweifel. Als er Fragen zu stellen begann, da bekam er keine Antworten. Bestimmte Gedanken, sagte man ihm, führten zur Sünde.Es gab kein Schlüsselerlebnis, das Barino letztlich dem Islam entfremdete. Es war die Summe der Unmenschlichkeiten, die er nicht nur glauben musste, sondern auch noch für schön zu empfinden hatte. Im Nachhinein sagt er: "Weiterdenken war verboten, die Wahrheit war vorgegeben." Das sei ihm schließlich wie "eine geistige Gefangenschaft " vorgekommen. Nach fünf Jahren sagte Barino sich los.Schon kurz vor seinem Ausstieg hatte Barino den christlichen Glauben wieder entdeckt: als er in der Moschee einen Vortrag über Jesus aus muslimischer Sicht hielt. Im Frühjahr 2008 ließ er sich schließlich taufen.Barinos Ausstieg aus dem Islam war und ist freilich eine nicht ungefährliche Sache. Wer sich vom Islam los sagt, gilt in radikalen Kreisen als vogelfrei. Mancher hat seinen Abfall vom Glauben schon mit dem Leben bezahlt. Die Sicherheitsbehörden kennen Barinos Fall ebenfalls. Bisher gibt es keine konkreten Drohungen.Wie Barino die Zeit unter seinen "islamischen Brüdern" erlebt hat, warum er mit der Zeit mehr und mehr Probleme mit der eigenen Radikalisierung bekam, wer ihm bei Ausstieg geholfen hat und wie und ob er eine Gefahr für Leib und Leben verspürt, dazu hat sich Barino Barsoum im Bocksaal geäußert. Musik: Just Friends; Eintritt frei.