Als er Ende März 2011 als noch nicht gewählter "Fast-Präsident" die Festhalle füllte und als Gast von Bernd Dassel den 118. "Talk im Bock" zu einem herausragenden Höhepunkt in der jetzt im 14. Jahr stehenden Gesprächsreihe machte, wurde der damals 71-jährige Joachim Gauck in den Medien bereits als "Präsident der Herzen" (vgl. TiB-Archiv) gehandelt. Am heutigen Samstag begeht der am 24. Januar 1940 in der Hansestadt Rostock geborene frühere evangelisch-lutherische Pastor seinen 75. Ehrentag. Ob er als 11. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland für eine zweite Amtszeit als Staatsoberhaupt kandidieren wird, steht im Moment noch offen. Wie es heißt, sei er dabei, seine Chancen zu sondieren.
Wolfram Weimer porträtiert Gauck in n-tv.de zwar als "kantig und ungemütlich", lobt ihn aber gerade deshalb als "guten Präsident", preist ihn gar als "bester Präsident seit Weizsäcker". Mit ihm habe das höchste Staatsamt im vereinigten Deutschland "Würde und Respekt zurück erlangt". Statt in irgendeiner Weise leise zu treten, "ist er autonomer Kopf, Freiheitsfreund und Klartexter geblieben". So eggt er bisweilen an und regt auch häufig auf. Seine Beliebtheit basiere nicht auf "inszenierter politischer Korrektheit", sondern vielmehr "auf seiner Art zu reden". Selten sei die "Kraft des Wortes" (von Weizsäcker) als "informelles Gestaltungsmittel unserer Demokratie so präzise eingesetzt worden wie bei Gauck". Das ganze umfassende und inhaltlich hochinteressante Porträt kann unter dem Titel "Der beste Präsident seit Weizsäcker" hier bei www.n-tv.de nachgelesen werden.
Gauck schreckt auch nicht davor zurück, einen Eklat zu riskieren. So bekam Chinas Staatschef einen kostenlosen "Nachhilfekurs in Sachen Menschenrechte". Einem Putin las er wie in einer Strafpredigt "wie einem Brandstifter, der gerade Nachbars Scheunen anzündet", die Leviten. Und den türkischen Staatspräsidenten Erdogan setzte er auf das "Sünder-Bänkchen der Halbdespoten". Mit Kanzlerin Merkel allerdings, die einst gegen ihn für ihren CDU-Parteigänger Wulff Partei ergriffen hat, soll er inzwischen jedoch seinen Frieden gemacht haben.