Vor ziemlich genau 12 Jahren im Oktober 2003 war Gregor Gysi (67) zu Gast beim "Talk im Bock" in der damals noch ganz jungen Gesprächsreihe, die Bernd Dassel ins Leben gerufen hatte. Vorgestern hat er zum zweiten Mal den Vorsitz über die Fraktion der Linken aufgegeben, dieses Mal aber bestimmt auch zum letzten Mal. Mit Sahra Wagenknecht (46)und Dietmar Bartsch (57) wird ihm ein gemischtes Doppel an der Spitze der Linksfraktion folgen.
Der in der Presse als "Einheitslinker" und als "Kitt, der die Partei zusammenhält", bezeichnete kleine Mann aus Berlin-Köpenick war seit 1990 insgesamt 20 Jahre Chef der Abgeordneten seiner Partei im Deutschen Bundestag. Nur zwischen 2000 und 2005 gab es eine Pause, in der er für drei Jahre ganz aus der Politik ausstieg. Klar, dass jetzt nach 25 Jahren deutsche Einheit mit Gysis Abtritt eine Ära in der Geschichte seiner Partei zu Ende geht. Seine Schlagfertigkeit, die Selbstironie und seine politische Leidenschaft werden sehr fehlen.
In SPIEGELONLINE veröffentlichte Stefan Berg eine Würdigung Gysis. In sechs Punkten habe er sich verdient gemacht: um den Frieden, um deutschen Humor, die deutsche Schauspielkunst, um Berlin als Wirtschaftsstandort. Ferner um die deutsche Sozialdemokratie, weil er die Betreuung älterer Sozis übernahm, "denen Parteibuch oder/und Verstand verloren gegangen waren". Und nicht zuletzt seien Gregor Gysis Verdienste um das Ansehen Gregor Gysis unübertroffen. Sandra Maischberger nannte ihn in ihrer Talkshow "Goodbye Gysi - Das Ende einer Ära?" eine "Ikone der Linkspartei".