19. Juni 2018

Afghanischer Allgäuer

In einem großen Artikel auf ihrer Seite drei brachte dieSchwäZ kürzlich die Geschichte von Aziz Rahimi, der 2010 einer der Gäste im Sommer-TiB vor'm Bock war. Der jetzt 53-Jährige kam vor drei Jahrzehnten als Flüchtling von Herat nach Deutschland. In Leutkirch fand er ein neues Zuhause. In der Altstadt betreibt er die Traditionsgaststätte Lamm. Ohne jeden Akzent begrüßt er seine Gäste völlig akzentfrei urallgäuerisch mit einem herzhaften "Griaß di".

Seine deutsch-afghanische Fusionsküche bietet interessante Gerichte an: Koreshte Fesenjan, Entenkeule in Granatapfel-Walnuß-Soße und Berberizenreis, aber auch geschmorte Lammhaxe mit Spätzle und Zuckerschoten. Seine Angebote werden gerne angenommen, abends ist das Lokal brechend voll.

Nach Besuchen in der alten Heimat spricht und berichtet Rahimi immer wieder darüber, wie schlecht die Lage dort ist. "Nach Sonnenuntergang traut sich niemand mehr zu Fuß auf die Straße", sagt er, "man wird sofort überfallen und ausgeraubt". Unter keinen Umständen dürfe man beim Umsteigen den Flughafen von Kabul verlassen, das sei lebensgefährlich. "Die meisten Menschen leben von der Hand in den Mund. Sie sind von 40 Jahren ununterbrochen Krieg unendlich müde. Zuerst die Russen, dann die Mudschaheddin, danach die Taliban und nun auch noch geflüchtete Kämpfer des IS". Außerdem ist nach wie vor die Korruption weit verbreitet - auf allen Ebenen.