22. Juni 2019

Begriff "rechts" entgiften

Mit seiner Werbung für eine erweiterte Toleranz in Richtung rechts, befeuerte Joachim Gauck (79) die Debatte so sehr, dass sie mächtig Staub aufwirbelte. So mächtig, dass ZDF-Talkmaster Markus Lanz diese Woche eine ganze Sendung mit nur einem einzigen Studiogast bestritt, mit dem Altbundespräsidenten, der im März 2011 TiB-Gast von Bernd Dassel in der prallvollen Festhalle war. Er erhielt von den Besuchern des TV-Studios viel Beifall.

Gauck steht jetzt aber auch in der Kritik, weil er Applaus von rechts bekommt. Weil viele nach der Tötung des hessischen Regierungspräsidenten Lübcke eine klare Kante gegen rechts fordern. Weil sich Gaucks Anhänger fragen, warum er ausgerechnet die AfD in Schutz nimmt.

In der Lanz-Sendung kündigte Gauck an, den Begriff "rechts" entgiften zu wollen. "Rechts ist eine Verortung im politischen Raum", sagte er, "die noch nicht negativ ist". Daher kritisierte er die Kultur der Achtundsechziger, wonach überall, was nicht mehr links sei, bereits der Faschismus beginne. Das Aushalten verschiedener Strömungen und Meinungen, das ist für Gauck echte Demokratie. Der Altbundespräsident betont: Die AfD-Abgeordneten haben die gleiche demokratische Legitimation wie die der anderen Parteien. Deshalb sei es falsch, dass der Bundestag verhindert, dass ein AfD-Mann Alterspräsident werden kann. Oder dass die AfD-Bundestagsvizepräsidenten blockiert werden. Viel wichtiger sei es ganz genau hinzuschauen, welche AfDler von "rechtsextremen Typen" unterstützt werden und tatsächlich "Wolf im Schafspelz" sind.