13. März 2016

Buhrufe, Beschimpfungen und Stinkefinger

Als der inzwischen 76-jährige Bundespräsident Joachim Gauck März 2011 TiB-Gast in der Festhalle war, galt er, da noch nicht gewählt, als "Fast-Präsident". Nach seiner Wahl durch die Bundesversammlung eroberte er derart rasch die Herzen aller Deutschen, dass ihm das Etikett "Präsident der Herzen" anhaftete. Damit scheint es jetzt vorbei zu sein. Im ostsächsischen Bautzen wurde er beim Rundgang durch die Altstadt von rechten Demonstranten mit "Gauck raus"-Rufen ausgebuht und sogar mit einem hässlichen Stinkefinger (FOCUSONLINE) beleidigt.

Drei Wochen nach dem scheußlichen Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft, bei dem jubelnde Schaulustige die Löscharbeiten behinderten und Fremdenfeinde unverhohlen mit Applaus ihre Freude über den Brand zum Ausdruck brachten, war Gauck gekommen, um den Dialog zu suchen und die Gemüter zu beruhigen. Er gab auch einen Empfang für ehrenamtlich engagierte Menschen und suchte das Gespräch mit Bürgermeistern aus der Region. 

Rund ein Dutzend rechter Demonstranten ließen ihre Trillerpfeifen schrillen und bedachten das Staatsoberhaupt auch mit "Gauck verschwinde"-Rufen. Wie ZEITONLINE berichtet, soll Gauck auch als Volksverräter beschimpft worden sein.

Schon zu DDR-Zeiten gelangte die 40.000 Einwohner zählende Stadt wegen der im Volksmund "gelbes Elend" genannten Landesstrafanstalt nicht nur im "fortschrittlichen Teil Deutschlands" zu trauriger Berühmtheit. Unter unsäglich unmenschlichen Haftbedingungen, denen viele Häftlinge zum Opfer fielen, waren auch so bekannte Regimegegner wie die Schriftsteller Walter Kempowski und Erich Loest inhaftiert.