09. November 2014

Der die Mauer Geschichte werden ließ

Minutengenau jetzt am 9. November um 23:25 Uhr vor einem Vierteljahrhundert war es endlich soweit: Oberstleutnant Harald Jäger (71) ließ am Berliner Grenzübergang Bornholmer Straße eigenmächtig den Schlagbaum heben, hinter dem sich ein Rückstau von drei bis vier Kilometer Länge bis in die Schönhauser Allee gebildet hatte. Und dann strömten sie, Tausende Ost-Berliner DDR-Bürger, in die Freiheit des Westens. "Und der wilde Strom ward zum Meere", um einmal mit Friedrich Schiller zu sprechen.

Jäger war in seiner "Nacht aller Nächte" echt fertig, seelisch "total am Ende". Auch körperlich ging es ihm, wie MDR berichtet, wirklich "beschissen": "Ich litt an einer Darmerkrankung und hatte am nächsten Morgen um 10 Uhr einen Termin in der Klinik. Als er seinen Vorgesetzten um Dienstbefreiung bat, sagte der ihm: "Du hast die ganze Nacht nur deinen Arsch im Kopf". Am Morgen danach fuhr er erst zu seiner Frau in die Wohnung und sagte ihr: "Marga, ich habe heute Nacht die Grenze aufgemacht". Marga aber entgegnete nur ganz teilnahmslos: "Damit macht man keine Späße, Harald". Und verließ die Wohnung.

Gerhard Haase-Hindenberg (Bild), der wie Jäger auch schon beim TiB zu Gast war, hat unter dem Titel "Der Mann, der die Mauer öffnete" ein Buch über den Helden von der Bornholmer geschrieben. Dort lässt sich Jägers schier unglaubliche Geschichte nachlesen.