15. Juli 2019

Einsamer Rufer im Regenwald

Als einsamen Rufer im Amazonasbecken betitelte die Berliner Zeitung ND Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller aus Durach bei Kempten, der dem TiB im September 2016 seine Aufwartung machte. Ein beigefügtes Foto von der Kinderhilfsorganisation "terre des hommes" zeigt den CSU-Minister inmitten einer Schar Jugendlicher in der brasilianischen Favela Rua Nova nahe der Großmetropole von Sao Paulo.

"Wir werden das Klima nicht allein in Deutschland retten. 98 Prozent des weltweiten Ausstoßes von CO2 finden außerhalb Deutschlands statt". Immer wieder solche im Grunde banalen Tatsachen auszusprechen, die in der Realpolitik leider allzu oft untergehen, gehört zu Müllers Verdiensten.

Auch bei seiner jüngsten Brasilien-Reise geizte der Duracher nicht mit bedenkenswerten Aussagen. Zum Beispiel dürfe das eben abgeschlossene Freihandelsabkommen der EU mit dem südamerikanischen Mercosur (gemeinsamer Markt Südamerikas) nicht zu weiterer Abholzung des Regenwaldes führen. Doch auch, wenn er sagt, er hätte Brasiliens Umweltminister von der Notwendigkeit des Regenwaldschutzes und einem Stopp der Entwaldung überzeugt, sprechen die Fakten dagegen. Nach Angaben des Müller-Misteriums habe die Abholzung allein 2019 um 60 Prozent zugenommen. Weil die EU ihren Markt für weitere Fleisch- und Sojaimporte öffnet, spricht alles dafür, dass die teilweise illegale Abholzung weiter forciert wird. Und Präsident Jair Bolsonare ist erklärter Freund der Agrarlobby. Müllers Rufe werden in Amazoniens Regenwäldern ohne Wirkung verhallen.