11. September 2017

Familiengeist

Am heutigen 16. Jahrestag des bis heute schrecklichsten Terroranschlags der Menschheitsgeschichte auf das New Yorker World Trade Center, dem über 3000 Menschen zum Opfer fielen, muss natürlich an die jetzt 44-jährige Julie von Kessel erinnert werden. Fast punktgenau auf den Tag holte Bernd Dassel die TV-Journalistin 10 Jahre danach am 12. September 2011 in den Bocksaal, um mit der Augenzeugin unter dem Titel "Zehn Jahre und ein Tag" über ihre Erlebnisse in Atem beraubender Weise zu talken. Wer dabei war, wird nicht vergessen haben, dass die aparte Diplomatentochter, wie viele andere auch, buchstäblich um ihr Leben rennen musste.

Was ihre Tätigkeiten beim Fernsehen betrifft, ist es um die Schwester der bekannten Schau- spielerin Sophie von Kessel (48), die im Münchner Residenztheater engagiert ist, recht still geworden. Mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Ralph Martin, den sie damals in New York kennenlernte, lebt sie zusammen mit ihren drei Kindern in Berlin. Dort zeigt sie Familiengeist in doppeltem Sinn: in ihrem Privatleben und als Autorin eines Romans mit dem Titel "Altenstein".

Die Süddeutsche etikettierte ihn als einen Generationen-Roman. Erzählt wird die Geschichte der Adelsfamilie von Kolberg in den Wirren der letzten Kriegswochen in Ostpreußen bis ins Jahr 2005 hinein. Damals ging es um das nackte Überleben. Wenn man, wie im Roman die Mutter, gleich zehn Kinder aus drei Ehen durchzufüttern hat, dann ist es mit Liebe und Fürsorge allein nicht getan. Dann muss man hart zu sich selbst wie zu den anderen sein...

Wer den Roman nicht lesen mag, kann darauf hoffen, dass er bald verfilmt werden wird. Und zwar durch die UFA, die in besonderer Weise an Stoffen aus der deutschen Geschichte interessiert ist.