Folgt man dem Artikel "Tuba-Geschichten" der Memminger Zeitung in ihrer gestrigen Samstagsausgabe, dann hat unser TiB-Gast von Oktober 2016, der am Salzburger Mozarteum als Tuba-Professor lehrende Andreas Martin Hofmeir (38), in der Sontheimer Dampfsäg eine rasante Show hingelegt. Es war Konzert, Lesung und Kabarett zugleich. Freilich war sein Outfit ganz anders als man es von einem ehrwürdigen und ebenso ehrbaren Professor eigentlich erwartet: Jeans, mit Delfin bedrucktes T-Shirt, langhaarige Haartracht mit Pferdeschwanz und - barfuß!
Zunächst zelebrierte er am Beispiel "L'Inferno" (der Winter) aus dem "Fifaldi"-Zyklus "Le quattro stagioni" (Die vier Jahreszeiten) ein Stück, mit dem er seine überragende Meisterschaft auf der "aufgeblasenen Trompete" namens Tuba eindrucksvoll unter Beweis stellte. Es war einfach atemberaubend, in welch rasendem Tempo er sein klobiges Rieseninstrument in brummigsten Tontiefen förmlich galoppieren ließ, um die zittrige Kältestarre des Winters sinnfällig umzu- setzen.
Und dann hatten es die gelesenen Geschichten aus seinem Buch "Kein Aufwand" wirklich in sich. Obwohl sie, wie er ehrlicherweise gestand, zwei Haken haben: Erstens schrecklich und zweitens wahr zu sein. Wahr wie diese Geschichte, die sich auf der Rückfahrt aus der Bundes- in die bayerische Landeshauptstadt während einer Zugfahrt zutrug:
Weil seine Fanny ums Arschlecken nicht in kein Gepäckfach passen wollte, platzierte er sie wie eine Begleitperson neben sich auf einem normalen Personensitzplatz. Auf dem 3. Platz der Vierergruppe mit Tisch in der Mitte legte er seine beiden Haxen ab. Und auf dem vierten Platz ließ sich eine äußerst spannend aussehende Delinquentin nieder. Sie trug eine tief ausge- schnittene Bluse, die sich über einen monströsen Busen ohne Büstenhalter spannte. So sehr, dass die Knöpfe (der Bluse) weggesprengt zu werden drohten. Nach einer geschlagenen Stunde fasste sich die gespannte spannende Dame auf Höhe von Bitterfeld nördlich Leipzig endlich ein Herz, um nach dem Instrument an seiner grünen Seite zu fragen, was das denn sei. Weil Andreas Martin bereitwillig antwortete, entwickelte sich ein wechselseitiges Gespräch, das die zuschauenden und -hörenden Gäste zu elektrisieren begann. Spätestens dann, als die zweifelhafte Dame sich als eine Pornodarstellerin outete, die von einem Swingerclub aus Wedding zurück in den Süden reise. Totenstille im Waggon! Hofmeir fühlte der Mitreisenden Blicke und Ohren heiß brennend in seinem Nacken. Ihm war, als würden alle das Gleiche sagen: "Frag weiter, du Idiot, frag doch endlich weiter!"
Übrigens kündigte der Holledauer Musik-Prof im Gepräch an, dass er wieder nach Leutkirch in den Bocksaal kommen werde - im November diesen Jahres.