Der nach seinem Auftritt im TiB jetzt vor zwei Jahren auch in Leutkirch beliebte CDU-Politiker Wolfgang Bosbach (63) ist dafür bekannt und wird wertgeschätzt, dass er Tacheles redet, auch unliebsame Dinge ungeschminkt beim Namen nennt und auch in kniffligen Fragen stets klare Kante zeigt. Solche Tugenden hat er jetzt auch im Gespräch mit Christiane Kaess unter Beweis gestellt. Der Deutschlandfunk hat das Interview auf seiner Homepage veröffentlicht.
Wie es dort im Vorspann heißt, bestätigt Bosbach, was von anderen Unionskollegen abgestritten wurde: Es habe in der CDU-/CSU-Fraktion eine Unterschriftenliste für einen Kurswechsel der Kanzlerin in ihrer Flüchtlingspolitik gegeben. Der Widerstand gegen Merkels Flüchtlingspolitik wachse. Bosbach: "Ein Drittel der Union unterstützt den Kurs der Kanzlerin aus voller Überzeugung. Ein Drittel ist skeptisch und verlangt von ihr eine Kurskorrektur. Und dann gibt es noch ein Drittel, die sagen, ich teile euere Sorgen, aber wir unterstützen Merkels Kurs, weil es für uns wichtig ist, dass wir zusammenbleiben".
Eine europäische Lösung, wie sie Merkel vorschwebt, brauche sehr, sehr lange Zeit. Sehr aufnahmebereite Länder um uns herum machten dicht. Im Moment kenne Bosbach "kein einziges anderes europäische Land, das diesen Kurs hat, den die Bundesrepublik Deutschland fährt". Es wäre für ihn eine schöne Überraschung, wenn sich der Kurs der anderen 27 Länder ändern würde". Anzeichen dafür gibt es derzeit keine, im Gegenteil: Die Länder schlagen den genau entgegengesetzten Kurs ein.