Übermorgen, also am Dienstag, steht der 9. November an. Jener Tag, der als einer der, wenn nicht sogar als der geschichtsträchtigste Tag der deutschen Geschichte gilt. Am 9. November 1918 wurde die Weimarer Republik ausgerufen, am 9. November 1989 kam es in Berlin zum Mauerfall und am 9. November 1933 wüteten die Nazis in der Reichspogromnacht (Reichskristallnacht) gegen die jüdische Bevölkerung. Die Progromnacht gilt als Auftakt der systematischen Judenverfolgungen, die schließlich zum Holcaust führten, dem rund sechs Millionen Menschen in den Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nationalsozialisten zum Opfer fielen.
In Erinnerung an das unsägliche Leid der NS-Opfer findet am Dienstag, 9. November, ab 18.30 Uhr in Memmingen an der Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge am Schweizerberg eine Gedenkstunde statt. Die Ansprache hält die grüne Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Claudia Roth (66), die im Januar 2007 im TiB zu Gast war. Die musikalische Umrahmung der Gedenkfeier "Gegen das Vergessen" mit Klezmerklängen übernimmt der Ottobeurer Klarinettist Günter Schwanghart. Anschließend können in der Bismarckschule ausgestellte Schülerbeiträge betrachtet werden, die sich mit dem Nationalsozialismus und dem Bezug zur heutigen Situation auseinandersetzen. Veranstalter der Gedenkstunde sind die Deutsch-Israelische Gesellschaft Memmingen, die Katholische Arbeitnehmerbewegung Memmingen-Unterallgäu und der Deutsche Gewerkschaftsbund Allgäu.
Zudem gibt es Führungen im Stadtmuseum. Die stellvertretende Heimatpflegerin Sabine Streck führt durch die Dauerausstellung "Jüdisches Leben in Memmingen" und durch die aktuelle Sonderschau "Vervolkt". Die Rundgänge beginnen um 11 und um 14 Uhr. Der Memminger jüdische Friedhof ist von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Männer werden gebeten, auf dem Friedhofsgelände eine Kopfbedeckung zu tragen.