Im Polizistenmord-Prozess droht dem Landgericht Augsburg Ärger. Der Münchener Anwalt Dr. Adam Ahmed, Strafverteidiger des mutmaßlichen Mörders Raimund M. und im April TiB-Gast von Bernd Dassel, plant nämlich weitere Beschwerden, nachdem gleich mehrere Befangenheitsanträge gegen einzelne Richter abgeschmettert worden waren. Der Anwalt kritisiert den allzu laxen Umgang mit dem Mordurteil gegen Rudolf Rebarczyk, dem Bruder von Raimund M.
Der - historisch einmalig - zweifache Polizistenmörder wurde im Februar 2014 verurteilt. jedoch ist das Urteil derzeit noch nicht rechtskräftig. Es umfasst 375 Seiten, ist schwarz gebunden und silbern beschriftet und wurde in 51 Exemplaren gedruckt. Rebarczyks Verteidiger stören sich daran, dass ihr Mandant fast 700 Mal im Urteil als Mittäter genannt wird, obwohl sein Prozess noch längst nicht abgeschlossen ist.
Für Ahmed kommt das Binden der Urteile einer Trophäe gleich. Wer alles das Urteil erhalten hat, will das Gericht "aus dienstlichen Gründen" nicht sagen. Der Strafverteidiger geht davon aus, dass die Polizei mindestens ein Exemplar erhalten habe. Und das sei rechtswidrig, so Ahmed. Er wirft auch diese Frage auf: "Was ist, wenn etliche Zeugen, wie Polizisten, das Urteil gelesen haben?" In diesem Fall könnten die Zeugen "doch nicht mehr objektiv aussagen!"