03. Mai 2017

Heute vor 40 Jahren

Als im September 2010 in Stuttgart der Prozess gegen die frühere RAF- Terroristin Verena Becker begann, holte sich Bernd Dassel den damals 53-jährigen Polizei-Beamten Wolfgang Seliger (Bild) aus Singen in den Bocksaal. Am 3. Mai 1977, also genau heute vor 40 Jahren, zur Zeit des Höhepunkts des RAF-Terrors in Deutschland, wurde der damals erst 20 Jahre junge Seliger mit einem Kollegen in ein Singener Café gerufen, in dem angeblich ein verdächtiges Pärchen sitzen sollte. Was beide Jungpolizisten zunächst als harmlose Pflicht- übung betrachteten, entwickelte sich in Sekundenschnelle zu tödlichem Ernst. Während Becker seinen Kollegen niederstreckte, feuerte Günther Sonnenberg sein ganzes Magazin auf Seliger leer. Von sieben Kugeln getroffen, hatte Seliger nur mit größtem Glück überlebt.

Jetzt war der inzwischen im Ruhestand befindliche 60-jährige Pensionist bei Markus Lanz im gleichnamigen ZDF-Talk zu Gast. Zusammen mit Bundesinnenminister a. D. Gerhart Baum (FDP), der damals das gefährlichste Amt der Republik ausübte. Lange Jahre hatte Seliger nicht darüber gesprochen, nicht einmal in seiner eigenen Familie. Heute aber sagt er: "Wenn jemand auf einen wehrlos blutend am Boden Liegenden sein ganzes Magazin leer schießt, dann ist das Amok". Für die Opfer gab es keinerlei psychologische Betreuung. Seliger musste alles selbst verarbeiten.

Von Lanz befragt, wie sich das mit den Schüssen "angefühlt" habe, diese Auskunft Seligers: "Es ist sehr schwer zu beschreiben, weil... man spürt nur die Einschläge. Der ganze Körper brennt. Man hat Todesangst und spürt die ganzen Einschläge. Alles bei vollem Bewusstsein. Es brennt wie Feuer, der ganze Körper brennt."