Die aus Kärnten stammende Kriegsgebiet-Reporterin Antonia Rados (61) berichtet seit 30 Jahren von den Fronten der Krisengebiete dieser Erde. Wie im April 2011, als sie beim TiB zu Besuch war, kam sie neulich wieder zu einem kurzen Abstecher nach Deutschland, um ihren Bestseller "Die Bauchtänzerin & die Salafistin" vorzustellen. Dem EXPRESS-Reporter Horst Stellmacher gab sie ein Interview.
Obwohl jetzt wieder im Hexenkessel Irak unterwegs, wo vor 10 Jahren schon mal von Frieden geträumt wurde, verneint sie die Frage, ob man als Kriegsreporterin zur Pessimistin werde. Sie gibt sich durchaus hoffnungsvoll und stützt ihren Optimismus auf die Facebook- und Internet-Jugend. Diese mache und wolle überall das Gleiche. "Die jungen Leute gehen in Moskau, Syrien und Bangkok auf die Straße und kreieren ihre eigene Welt. Die wird weniger von oben bestimmt, weil die Jugend denen da oben nicht mehr glaubt." Auch in der arabischen Welt seien die jungen Leute wie Gleichaltrige in Köln und Düsseldorf angezogen und sprächen mit Englisch die gleiche Sprache.
Ob ihre Angst größer geworden sei, als Kollegin Anja Niedringhaus im April in Afghanistan erschossen wurde, beantwortet Rados so: "Es hat sich grundsätzlich etwas geändert. Anja wurde von einem Polizisten einfach umgelegt, weil sie eine Frau war, weil sie aussah wie eine Ausländerin". Vor 30 Jahren sei so etwas undenkbar gewesen. "Da war das Wort 'Reporter' heilig". Heute dagegen seien Journalisten Opfer wie alle anderen. Sie selbst habe bisher so viel Glück gehabt, dass ihr nur Dinge geschehen seien, die "nicht so dramatisch" waren.