09. November 2018

"Ich habe die Grenze aufgemacht"

War es Vorsehung?, fragt der Berliner TAGESSPIEGEL aus Anlass des heutigen 9. November, jenem Tag, an dem vor 29 Jahren, also 1989 vom diensthabenden Grenzoffizier Harald Jäger (links)an der Bornholmer Straße der Schlagbaum in die Freiheit des Westens geöffnet wurde. Jäger, den Bernd Dassel 20 Jahre danach im November 2009 als Gast in seinen TiB holte, antwortete darauf: "Nein, es war der Dienstplan". An jenem unvergesslichen Abend sahen sich der damals 46-Jährige und seine Kollegen von der Passkontrolleinheit dem Ansturm Zehntausender Ost-Berliner DDR-Bürger gegenüber.

Kurz zuvor hatte SED-Politbüro-Mitglied Günter Schabowski (TiB-Gast März 2002) im Fernsehen die Öffnung der Grenzen bekannt gegeben, worauf sich Jäger fragte: "Was redet der denn für einen geistigen Dünnschiss?" Kurz nach 23 Uhr kam der Befehl, den Schlagbaum zu öffnen. Frei nach Friedrich Schillers Ballade "Die Bürgschaft": "Und der wilde Strom ward zum Meere". Als Jäger am Morgen nach Hause kam, sagte er seiner ahnungslosen Frau: "Ich habe heute Nacht die Grenze aufgemacht".

Heute ist Jäger 75 Jahre alt und lebt in Werneuchen nordöstlich Berlin. Seine Geschichte ist schon vor Jahren als Buch erschienen und verfilmt worden. Oft wurde er gefragt, ob er sich selbst als Held sehe. Das verneint er: "Die Helden, das waren die anderen. Ich stand ja auf der sicheren Seite".