Am Tag 134 nach der Bundestagswahl vom 24. September 2017 war es jetzt endlich, endlich soweit. Schwarz und Rot haben es tatsächlich doch noch geschafft, was viele nicht mehr für möglich gehalten haben: Es gibt einen fertigen Koalitionsvertrag zur Neuauflage einer Großen Koalition aus CDU/CSU und der SPD als Juniorpartner. Verständlich, dass sich die beiden großen Parteien jetzt selbst feiern und hochloben. Postwendend rief solcher Jubel aber auch Kritiker auf den Plan, vor allem aus dem Bereich der deutschen Wirtschaft.
So fordert DIHK-Präsident Eric Schweitzer (Mai 2015 im TiB) unter dem Titel "Koalitionsvertrag sendet widersprüchliche Signale" Investitionen auszulösen und sie nicht auszubremsen. Er habe sich von den Regierungsparteien in spe insgesamt mutigere Entscheidungen im Sinn der deutschen Wirtschaft gewünscht. Schweitzer: "Die Wirtschaft ist besorgt über teuere Zukunftslasten, die insbesondere die Unternehmen treffen".
Einen ganz großen Schwachpunkt sieht Schweitzer im Verzicht auf Steuerentlastungen für hier tätige Unternehmen, wohingegen zeitgleich wichtige Standortkonkurrenten die Steuern senken. Im Hinblick auf die Herausforderungen der digitalen Welt kritisiert er, dass "die konkreten Antworten des Koalitionsvertrags noch zu sehr auf der Sehnsucht beruhen, die Welt mit den Regularien und Rezepten der Vergangenheit in den Griff zu bekommen". Das aber, so Schweitzer klipp und klar, könne nicht funktionieren. Er fasst sein Statement so zusammen: "Wir können mit unserem derzeit starken Wirtschaftsstandort Deutschland weiterhin nur erfolgreich sein, wenn wir Investitionen auslösen und sie nicht ausbremsen".