Wie von ihm gewohnt und auch bei seinem TiB-Besuch im Januar 2014 in der Mensa erlebt, hat sich CDU-Bundestagsabgeordneter Wolfgang Bosbach (64) auch in Memmingen kein Blatt vor den Mund genommen und auch Worte gesprochen, die nicht jeder gerne hört. Vom CSU-Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke nach Memmingen eingeladen, stellte der seinen Kollegen als "wohl prominentesten Unionspolitiker und Politik-Star" im Hotel Weisses Ross vor. Und der sagte mit Blick auf Brexit und IS: "25 Jahre nach der Wiedervereinigung scheint die Welt wieder aus den Fugen zu geraten".
An der EU bemängelte er, dass sie sich bislang nicht richtig entschieden habe, was sie werden wolle. Als richtige Lösung betrachtet der Bundespolitiker einen Staatenbund mit zentraler Politikverantwortung. Zwischen EU-Rhetorik und gelebter Realität gebe es eine unübersehbare Diskrepanz. Es fehle an der konsequenten Umsetzung gemeinsamer Ziele.
Klare Worte fand "Wobo" unter dem Beifall der Zuhörer auch zum Thema Islam. Seiner Ansicht nach wünschenswert ist, dass Christen in islamischen Ländern so viel Religionsfreiheit genießen lönnen wie Muslime in Deutschland. Ein Problem habe er mit der Aussage, dass der Islam zu Deutschland gehöre. Es seien Muslime, die hier leben und zu Deutschland gehören. Deutschland jedoch habe weder eine islamische Vergangenheit noch eine solche Tradition.
Was die AfD betrifft, glaubt Bosbach nicht, dass deren Erfolg anhalte. Hingegen glaubt er aber schon, dass die neue Partei eine politisch relevante Kraft bleiben werde. Man müsse sich klar von der AfD abgrenzen, betonte er, sich aber mit deren Argumentation auseinandersetzen.