Drei Tage nach seinem 75. Wiegenfest hat Bundespräsident Joachim Gauck, Gast des 118. "Talk im Bock", am heutigen Holocaust-Gedenktag aus Anlass der Befreiung von Auschwitz vor genau 70 Jahren erneut eine große Rede gehalten. Wie Süddeutsche.de schreibt, "geißelt" er in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag "die Verdrängung der NS-Verbrechen in Westdeutschland - und in der DDR".
Gauck wörtlich: "Solange ich lebe, werde ich darunter leiden, dass die deutsche Nation mit ihrer so achtenswerten Kultur zu den ungeheuerlichsten Menschheitsverbrechen fähig war. Selbst eine überzeugende Deutung des schrecklichen Kulturbruchs wäre nicht imstande, mein Herz und meinen Verstand zur Ruhe zu bringen".
Was keineswegs selbstverständlich ist: Dass Gauck auch die kommunistischen NS-Opfer erwähnt. Trotz seiner Gegnerschaft zu Wladimir Putin stellt er heraus, dass bei der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz 231 Rotarmisten getötet wurden. Vor den sowjetischen Soldaten "verneigen wir uns auch heute in Respekt und Dankbarkeit".
Den Unwillen zur Aufarbeitung der eigenen Verstrickung geißelt Gauck, indem er die Worte des kürzlich verstorbenen Schriftstellers Ralph Giordano benutzt: eine "zweite Schuld". Die Rede des Staatsoberhaupts, der bei der Auschwitz-Befreiung eine Junge von fünf Jahren war, endete, bevor er das Flugzeug nach Südost-Polen bestieg, mit einem klaren Bekenntnis: zum Asyl für politisch Verfolgte.