17. November 2017

"Kultur" ritualisierter Herabwürdigung

In absehbarer, nicht allzu ferner Zeit ist es zum zweiten Mal soweit, dass der TiB seinen zweiten Hunderter vollmachen kann. Zur Feier des ersten vollendeten Hunderters im Februar 2010 hatte Bernd Dassel den Großmäzen des TSG 1899 Hoffenheim und SAP-Mitbegründers Dietmar Hopp (77) in der Festhalle zu Gast. Dessen Vermögen wird inzwischen auf über zehn Millarden geschätzt. Wenn sein "Hoffe" in fremden Stadien wie kürzlich in Köln gastiert und dort auch noch satt mit 3:0 gewinnt, fällt der gegnerischen Fanszene nichts anderes ein als "Vadda Hopp" auf Plakaten und in Sprechchören in übelster Weise zu beleidigen, zu schmähen und herabzuwürdigen. Geradezu zwanghaft geschieht das inzwischen, wie auf der Homepage von N24 nachlesbar ist.

Hopp pflegt in solchen Fällen jedesmal Strafanzeige zu stellen. Das kündigte er auch nach den jüngsten Vorfällen in Köln an. Der frühere DFB-Sportdirektor Hansi Flick nannte die Rufe und Plakate "einfach widerlich". In der Heilbronner Stimme erklärte er: "Wir akzeptieren keine Kölner Entschuldigungen mehr". Denn bei den Kölner Verantwortlichen gäbe es nur entschuldigendes Achselzucken, und das seit Jahren.

Gleichwohl irritiert es manche Beobachter, dass der Kraichgau-Club die Sache nicht einfach auf sich beruhen lässt. Sie erwarten von der TSG mehr Gelassenheit. Indem Hopp juristisch zurück- schlägt, so wird behauptet, heize er den Konflikt mit den Fans nur noch weiter an. Weil es auch dem DFB bisher nicht gelungen ist, die ständigen Diffamierungen wirkungsvoll einzudämmen, stellt sich immer mehr die drängende Frage, welche Fankultur der Verband in den Stadien eigentlich will?