01. Juli 2018

Lage nicht stabilisiert

Neben dem Artikel über Rahimi (siehe Beitrag vom 19. Juni) brachte die SchwäZ auch ein Interview mit dem ehemaligen Bundeswehr-Oberstarzt Reinhard Erös, der Oktober 2015 im TiB zu Gast war. Und zwar unter dem Titel: "Reinhard Erös: Die Lage hat sich nicht stabilisiert". Erös kennt Afghanistan seit mehr als 30 Jahren. Seit seinem Ausscheiden aus der Bundeswehr im Jahr 2001 lebt der 70-Jährige zur Hälfte seines Lebens dort. Von der pakistanischen Grenzstadt Peschawar aus versorgte er Kranke und Verletzte. Sein dortiger Nachbar war Osama bin Laden.

Die Frage, ob er sich dem Generalinspekteur für Wiederaufbau John Sopko anschließe, der die seit 2001 anhaltenden Stabilisierungsbemühungen als gescheitert betrachtet, beantwortet Erös so: "Wegen einer von Anfang an fehlenden Gesamtstrategie, der Konzentration auf Krieg gegen den Terror und des Versagens beim Aufbau stabiler politischer und wirtschaftlicher Strukturen hat sich trotz eines riesigen Milliardenaufwandes die Lage nicht stabilisiert und schon gar nicht verbessert".

Zu der Frage, ob man im Westen vielleicht nicht mehr so genau wissen will, was im Land vorgeht, um sich weiter für die Abschiebung von Flüchtlingen einsetzen zu können, sagt der Mann aus Regensburg: "In den USA wird der Afghanistaneinsatz korrekt überprüft, das Ergebnis veröffentlicht. Norwegen geht ebenso vor. Nur Deutschland verzichtet auf eine Evaluierung im militärischen und im zivilen Bereich. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Unsere offizielle Flüchtlingspolitik mit Afghanistan scheint hier eine Rolle zu spielen".