Klar, dass sich Deutschlands Obersatiriker Martin Sonneborn (50), der Mitherausgeber des Satiremagazins TITANIC, der als Parteivorsitzender der Partei Die PARTEI und fraktionsloser Abgeordneter im Europäischen Parlament sitzt und im September 2009 beim Talk im Bocksaal als Mauerwiedererrichtungs-aktivist aufsprach, natürlich auch zum Fall Böhmermann/Erdogan äußert. Weil er, was dort in Brüssel nur selten vorkommen soll, versehentlich zu früh im Parlament war, hatte er die Zeit, dem Nachrichtensender N24 ein Interview zu geben. Das Video kann auf seiner Homepage angesehen werden.
Der EU-Parlamentarier verweist darauf, dass die Schmähungen, die Böhmermann gegenüber Erdogan aufgebracht hat, in einem Kontext stehen, der von vielen Kommentatoren offenbar übersehen wird. Im übrigen seien die Schmähungen gar nichts Besonderes, sondern ganz normale Beleidigung eines Staatsoberhaupts.
Die Reaktion des "Irren vom Bosporus" findet Sonneborn zunächst "lustig", sein Verhalten dann "absolut blödsinnig", ja "absolut irre". Im Moment werde es nur davon übertroffen, wie "devot" sich "Kollegin Merkel" verhalte. Dass jetzt viele gegen ihre Türkei-Politik zu Felde ziehen, findet er ganz normal.
Danach gefragt, was er Merkel raten würde, wie sie sich verhalten soll: "Als Staatschef würde ich einfach meinen Prinzipien treu bleiben. Merkel hat aber keine Prinzipien, insofern ist die Entscheidung schwieriger".
Und Sonneborn schließlich über Erdogan: "Ich habe das Gefühl, es handelt sich um einen alternden Diktator, der den Verlust der Wahrnehmung der Realität erleidet. Wenn man sieht, dass Erdogan 2000 Beleidigungsverfahren, meist gegen Schüler und Studenten, anhängig hat, dann ist Böhmermann nur lustige Spitze eines Eisbergs".