Am vorgestrigen 23. Mai vor 67 Jahren wurde mit der Inkraftsetzung des noch heute als Verfassung gültigen Grundgesetzes die Bundesrepublik Deutschland ins Leben gerufen. Aus Anlass dieses Tags des Grundgesetzes hielt Bundespräsident Joachim Gauck (76), der kurz vor seiner Wahl im März 2011 beim "Talk im Bock" mit Bernd Dassel die Festhalle füllte, eine bemerkenswerte Rede, über die ZEIT ONLINE ausführlich berichtet. Als Titel wählte das Ham- burger Wochenblatt "Mehr Demokratie ertragen".
Gauck fordert mehr Mut zum politischen Streit und ruft zu offener Auseinandersetzung über aktuelle Streitfragen auf. Zugleich warnt er aber auch vor einer zunehmenden Radikalisierung der Gesellschaft.
Er begründet seine Forderung damit, dass man Spannungen nicht löse, indem man ausgrenze und stigmatisiere, sondern nur durch Offenheit und Gegenargumente. In Zeiten, in denen das politische Meinungsspektrum wieder größer werde, sollten Unterschiede auf keinen Fall verschwiegen oder gar glattgebügelt werden. Kontroversen seien nämlich kein lästiges Übel. Vielmehr sei Mut zum politischen Streit gefragt. Vor 700 geladenen Vertretern der Kommunen hob Gauck deren besondere Bedeutung hervor. Kommunen seien "Werkstätten der Demokratie", in denen Debatten-Demokratie eingeübt werden könne.