"Perle der Ägäis" wird die drittgrößte türkische Stadt an der Westküste des Landes genannt. Wegen des Ansturms von Flüchtlingen in Izmir, die von dort aus nach Griechenland, also nach Europa drängen, hat TV-Reporterin Antonia Rados (62), die im April 2011 beim TiB in der Mensa zu Gast war, die Stadt im Auftrag von RTL bereist.
Was sie in ihrem Filmbeitrag berichtet, ist bedrückend und beängstigend. Im Minutentakt kommen immer neue Flüchtlinge, zumeist aus Irak, an. Obwohl sie alle wissen, dass Dutzende, darunter viele Kinder, bereits ertrunken sind, und obwohl es in herbstlich schwerer See immer schwieriger wird, in einem kleinen Schlauchboot auf eine griechische Insel und von dort auf europäisches Festland zu gelangen, lassen sich die Flüchtlinge nicht davon abhalten. Das Leben in der Stadt, die dem Ansturm nicht gewachsen ist, spielt sich in den engen Gassen ab: Mittagessen, erschöpfte und schlafende Kinder, "Szenen wie im Mittelalter". So auch der Titel ihres RTL-Beitrags.
Das Geschäft mit den Flüchtlingen boomt in Izmir, vor allem das mit den Schwimmwesten. "Wir haben auch Modelle für Babys", sagt einer der Verkäufer ruhig, so als sei das vollkommen selbstverständlich. Da viele Flüchtlinge völlig mittellos ankommen, bleiben zum Schutz vor dem Ertrinken während der Überfahrt nur kreative Strategien: Im Innenhof einer Moschee werden Autoreifen für die Flucht vorbereitet - sie sind eben viel billiger.
"Merkel ist ein Engel!" So wird die Kanzlerin von manchen Flüchtlingen überhöht und hochstilisiert. Sie denken, die Kanzlerin werde schon eingreifen, um alle diese Leute zu retten. Es kursieren tollste Gerüchte und so erzählt einer der Flüchtlinge: "Wir haben im Internet gesehen, Merkel wird uns ein Schiff schicken".