20. Mai 2019

Satirisch kostümierte EU-Aufklärung

Weil der Wahlkampf zur Europawahl inzwischen doch auf recht hohen Touren läuft, macht auch eine kleine, aber auf ihre Weise sehr feine Splitterpartei namens Die PARTEI, deren Vorsitzender Martin Sonneborn (53) im September 2009 als Mauerwiedererrichtungsaktivist den Bocksaal samt Bernd Dassel rockte, von sich Reden. Sonneborn, der mit 0,6 Prozent der Stimmen als einzelner fraktionsloser Abgeordneter ins EU-Parlament einzog, rechnet damit, dass es am Sonntag 2,0 Prozent werden könnten. Das würde bedeuten, dass er nicht mehr als satirischer Einzeltäter seinen Kampf gegen Windmühlen fechten müsste, sondern mit Parteifreund Nico Semsrott einen wackeren Mitstreiter an seine Seite bekommen würde.

Bei Deutschlandfunk Kultur ist das Motto der Wahlkampftour der beiden zu lesen: "Für Europa reicht's". Den Tour-Auftakt bestritt das Duo der satirischen Spaßpolitiker in der Berliner Volksbühne, wo sie einen bemnerkenswerten Aufklräungsabend über die EU abhielten: provokativ und nachdenklich, auf jeden Fall aber mit viel Klamauk und noch mehr Gejohle.

Eines kritischen Zuschauers Bemerkung verpuffte unbeantwortet im Saal. Er hatte bemerkt: "Es gibt Stimmen an der Basis, die befürchten, dass sich die populistische Satirepartei von früher zu einer ernsthaften politischen Kraft wandelt".

Die Partei Die PARTEI zählt jetzt 31.000 zumeist jüngere Mitglieder. Der stets mit schwarzem Kapuzenpulli als Markenzeichen melancholischer Grundhaltung rumlaufende Nico verkündete, als neuer Kommissionspräsident die Demokratie einführen zu wollen, notfalls auch ganz und gar gegen den Wählerwillen. Ferner fordert er für das Parlament ein Initiativrecht, Klimawandelleugnung unter Strafe zu stellen. Ob das auch den als Präsident amtierenden hölzern-hohlen Kasperkopf in Washington treffen könnte, ließ er offen. Weil er seinen zweiten Platz auf der Liste nicht freiwillig räumen will, befürwortet er auch eine für ihn sinnvolle Frauenquote.

Laut Sonneborn sind 85 Prozent seiner Wähler männlich. Die größten Zustimmungswerte erzielt er in den großen Städten wie zum Beispiel in Berlin, in Hamburg und in Bremen.