Der früher an der Universität der Bundeswehr in München-Neubiberg lehrende Historiker Prof. Michael Wolffsohn (TiB-Gast im Januar 2016) kritisiert jetzt, dass Berlin der Ukraine gegen einen drohenden militärischen Angriff Russlands effektive militärische Hilfe in Form der Lieferung abschreckender Defensivwaffen verweigert. In einem Interview der Augsburger Allgemeine bezichtigt er zugleich den russischen Machthaber Putin der Lüge, weil der behauptet, sein Land werde vom Westen aggressiv eingekreist. Was Deutschland betrifft, beklagt er, dass unser Land innerhalb der NATO ein "Wackelpartner" ist. Offensichtlich hätten "unsere Regierenden vergessen, dass der Westen in Zeiten des Kalten Kriegs Deutschland gegen die sowjetische Bedrohung geschützt hat".
Deutschland, so Wolffsohn an anderer Stelle des Interviews, verweigere der Ukraine zum Selbstschutz nötige Waffen für einen zu befürchtenden Guerillakrieg. Unter Olaf Scholz ebenso wie unter Angela Merkel. Das nennt er knallhart Heuchelei, die freilich als Moral maskiert sei.
Zu Putins Behauptung einer Bedrohung und Einkreisung Russlands durch die NATO bemerkt der jetzt 74-Jährige, dass Putin damit nur seine diplomatischen und militärischen Aktionen rechtfertigen will. Wolffsohn räumt zwar ein, dass man das mit Blick auf die Karte durchaus meinen könnte. Dieser Eindruck täusche jedoch sehr. Er fragt nämlich: "Wer im Westen möchte gegen Russland Krieg führen? Niemand! In westlichen Gesellschaften gilt: Krieg, nein danke! Die Menschen wollen leben, lieben, genießen, Geld. Auch die meisten Russen und erst recht Ukrainer. Und deshalb verbreitet Putin die Lüge von der aggressiven westlichen Einkreisung Russlands. Putin pokert. Er will zumindest den Osten der Ukraine Russland einverleiben. Dazu gehört Propaganda. Und Propaganda ist, anders als Information, fast immer Lüge".