Im Landeanflug auf den Berliner Airport Tegel überflog der aus Rio kommende Jumbo mit der Aufschrift "Siegerflieger Fanhansa" die mit 400.000 Schaulustigen prall gefüllte Meile vor dem Brandenburger Tor. Mit dem Wackeln der Tragflächen kündigte der Pilot den Fans die Ankunft der Stars an. Minuten später verließ als Erster der kleine Käpten mit dem großen FIFA-WM-Pokal den Jet und reckte die goldene Trophäe bei Kaiserwetter in den strahlenden Hauptstadt-Himmel. Weil es "vor allem mit dem Ding da" einfach schön sei, wollte Philipp Lahm (30) das Ding gar nicht mehr hergeben.
Im Ausnahmezustand kopf stehend, bereitete Berlin den frisch gebackenen Weltmeistern einen triumphalen Empfang: am Flughafen, während der Fahrt nach Mitte und an der Meile auf der "Straße des 17. Juni". Jerome Boateng musste sich wie J. F. Kennedy damals vor dem Schöneberger Rathaus gefühlt haben, denn er sagte: "Ich bin stolz, ein Berliner zu sein". Lahm und Co. tanzten wie kleine Jungs um den Goldpokal. Als Kind habe er bei der WM 1990 davon geträumt, diesen Pokal wie Lothar Matthäus in die Höhe stemmen zu dürfen. Jetzt hat sich der Traum erfüllt. Lahm: "Es ist unglaublich, was für sieben Wochen wir erlebt haben".
Weil die Deutschen beim Turnier in Brasilien das Runde 18 mal in das Eckige des Gegners gesetzt haben, sagte der Lufthansa-Vorstandschef dem TAGESSPIEGEL, werde die WM-Boeing 18 Tage als "Siegerflieger" durch die Lüfte jetten. Erst dann wird die Maschine wieder ganz normal einfach nur "Potsdam" heißen.
Mit Torschüssen oder vielleicht einem Treffer hat es der Kapitän in Brasilien nicht krachen lassen. Der große Kracher aber kam fünf Tage danach: Lahm hat seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt.