Der emeritierte, früher an der Münchner Bundeswehr-Universität Neubiberg lehrende renommierte deutsch-jüdische Historiker, Prof. Michael Wolffsohn (74), der den TiB im Januar 2016 beehrte, gab jetzt Augsburger Allgemeine ein Interview. Es erschien am heutigen Dienstag unter dem Titel "Die Ukrainer haben sich selbst entnazifiziert". Damit führt er die Rechtfertigung des russischen Kriegsverbrechers Putin für seinen mörderischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ad absurdum. Die Fragen stellte Simon Kaminski.
In einem der Unterkapitel Ihres neuen Buches geht es um "Bedeutsame Juden". Dazu zählen Sie auch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Moskau ausgerechnet ihn und seine Regierung, ja jetzt sogar das ganze Land "entnazifizieren" will? Noch eine der vielen Putin-Lügen. Die Ukraine war früher sehr antisemitisch. Heute ganz anders. 2019 haben 73 Prozent der Ukrainer einen Juden zum Präsidenten gewählt: Selenskyj. Er ist inzwischen eine Ikone. Die Mehrheit der Ukrainer hat sich längst selbst entnazifiziert.
Viele denken bei den Bildern aus Butscho an scharz-weiß Aufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg. Wie ergeht es Ihnen? Als Historiker denke ich da an deutschlich mehr Gräueltaten. Das macht keine einzige besser. Jede ist verbrecherisch.