Im März 2011 war Joachim Gauck (75) als "Fast-Präsident" zu Gast beim "Talk im Bock" in der Festhalle. Und jetzt weilte er als amtierender Bundespräsident wieder einmal in der Region, und zwar in der Konzilstadt Konstanz am Bodensee, wo es zu Ehren des am 6. Juli 1415 zum Tod verurteilten, als "Erzketzer" verdammten und auf dem Scheiterhaufen verbrannten Prager Kirchenreformers Jan Hus verschiedene Gedenkveranstaltungen unter deutsch-tschechischer Regie gab. Noch vor wenigen Wochen war von tschechischer Seite die Hoffnung geäußert worden, Papst Franziskus würde das damalige unsägliche Urteil endlich aufheben.
Solche Hoffnungen wurden jedoch enttäuscht. Allerdings ließ es sich der Pontifex Maximus nicht nehmen, den böhmischen Wegbereiter Luthers wenigstens zu würdigen. Wie RADIO VATIKAN berichtet, sei der "renommierte Prediger", der lange Zeit "Streitobjekt" unter den Christen war, heute zu einem "Anlass des Dialoges" geworden. Er forderte das Anknüpfen der Forschung, um Jan Hus' Verdienste für die heutige Zeit fruchtbar zu machen.
Das deutsche Staatsoberhaupt hingegen hat, obwohl Gauck zu DDR-Zeiten als evangelischer Pfarrer gewirkt hat, zum Fall Hus geschwiegen. Der SÜDKURIER bedauert das, denn Konstanz habe für den ranghohen Gast "immensen Aufwand" betrieben. Er wohnte zwar einem Gedenkgottesdienst in der ersten Reihe sitzend bei und ließ sich auch über Hus' Geschichte informieren, das Wort ergriff er jedoch nicht. Gründe für sein Schweigen wurden nicht bekannt.