24. Januar 2017

Ungeheuer konfliktscheues Verhalten

Im Streit zwischen dem WDR und dem bekannten satirischen Kabarettisten Serdar Somuncu ist eine breite Diskussion über vermeintliche Zensur-Vorgänge in Redaktionen im Gang. Auch Martin Sonneborn (TiB-Gast 2009), der Ex-Titanic-Chefredakteur, Parteivorsitzende der Partei Die PARTEI und fraktionslose Europa-Abgeordnete, hat sich zu Wort gemeldet und gegenüber MEEDIA ein "ungeheuer konfliktscheues Verhalten vieler Redakteure" bemängelt.

Der seinem Kollegen Somuncu den Rücken stärkende Sonneborn erweckte den Eindruck, dass viele Redaktionen mit Satire und Ironie und der Entscheidung über ihre Grenzen überfordert seien. Gegenüber Rheinische Post sprach er gar von "Zensur in vielen Medien in allerlei Form". Und erläuterte dazu: "Nachdem meine Wortbeiträge in einer Markus-Lanz-Sendung im Schnitt mal fast bis auf Begrüßung und Verabschiedung reduziert wurden, habe ich mich entschlossen, nur noch in Live-Sendung zu gehen".

Er beobachte, so Sonneborn schließlich, "vorauseilenden Gehorsam sowie das Gefühl, den Zuschauer/Leser vor Satire und Ironie und vermeintlichen Verletzungen des guten Geschmacks beschützen zu müssen". Genauso sei die Angst der Sendungsverantwortlichen vor dem Programmdirektor oder einer öffentlichen Reaktion oder dem Fernsehrat zu spüren.