Der Historiker Prof. Michael Wolffsohn (TiB-Gast von Raimund Haser) im Januar 2016 diskutierte zu Monatsbeginn auf Einladung der CSU in Kempten mit dem Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller (TiB-Gast im September 2016). "Jahrhundertherausforderung globale Fluchtbewegungen" lautete das Thema der Veranstaltung. Als Sohn einer 1939 nach Palästina geflüchteten jüdischen Kaufmannsfamilie lehrte Wolffsohn von 1981 bis 2012 Neuere Geschichte an der Universität der Bundeswehr.
Als Ursache der heutigen großen Migrationswelle, die seit Jahren ganz Europa erfasst, sieht der Geschichtswissenschaftler die "Zerbröselung der Staatenwelten". Angefangen habe der Zerfallsprozess bereits mit der Zerschlagung der Vielvölkerreiche nach Ende des 1. Weltkriegs 1918 und der Entkolonialisierung nach Ende des 2. Weltkriegs 1945.
Nach seiner Überzeugung ist mit unzufriedenen Bevölkerungsgruppen kein Land zu stabilisieren. Viele staatliche Grenzen seien infolge weltpolitischer Interessen aus reiner Willkür gezogen worden. Dabei habe man sich über die Identität vieler Bevölkerungsgruppen einfach hinweggesetzt. deshalb hätten diese das Bedürfnis nach einem selbstbestimmten Lebensraum, ohne die Vorherrschaft anderer fürchten zu müssen.