19. August 2014

Viel verloren, mehr gewonnen

Am heutigen 25. Jahrestag der ersten Grenzöffnung zwischen Ungarn und Österreich in der Nähe von Sopron am Neusiedler See, muss auch an den als "Maueröffner" am Berliner Grenzübergang Bornholmer Straße bekannt gewordenen Ex-DDR-Grenzoffizier Harald Jäger erinnert werden, der 20 Jahre nach dem 9. November 1989 beim TiB und Bernd Dassel zu Gast war. Im 25. Jahr nach dem Mauerfall wieder einmal im Focus der Medien stehend, sagte der jetzt 71-Jährige in seiner Rückschau dem BERLINER KURIER: "Ich habe viel verloren. Aber mehr gewonnen".

Vor kurzem wurde der Spielfilm "Bornholmer Straße" fertig gestellt, der im November punktgenau ins Fernsehen kommen soll. Jäger scheint davon wenig angetan: "Es gibt Momente, da denke ich: Lasst mal gut sein mit den ollen Kamellen. Man kommt ja nicht zur Ruhe, lässt sich alles wieder durch den Kopp gehen - ist ziemlich anstrengend". Auf die Zeit nach der Wende rückblickend, gesteht er, zu den Wendeverlierern zu gehören. Vielleicht träumte er deshalb mitunter davon, dass die DDR wieder da sei. Aber: "Wissen Sie, wie froh ich bin, wenn ich dann munter werde und feststelle, dass es nicht so ist?! Da kommt mir alles wieder hoch, der ganze Scheißdreck, die ganze Bevormundung, die Weisungen und die Befehle. Und dann diese Parteiversammlungen, wo man sich gegenseitig die Hucke voll gehaut hat mit Lügen und Versprechungen".

Und schließlich: "Ja, ich habe mehr gewonnen als verloren. Wer mir vor dem 9. November gesagt hätte, dass ich mal die Insel Bornholm besuche oder zum Angeln nach Norwegen fahre oder meine Goldene Hochzeit in der Türkei feiere - um Gottes willen! Das aber habe ich inzwischen alles gemacht!"