Damals im Februar 2011 als Fast-Präsident bei Bernd Dassel beim TiB in der Festhalle zu Gast, hat der amtierende Bundespräsdent Joachim Gauck (75) beim gestrigen Gedenkgottesdienst im Berliner Dom deutliche Worte für die Verfolgung der Armenier im Osmanischen Reich gefunden. Er sprach tatsächlich von Völkermord, fragte aber auch nach einer deutschen Mitschuld vor 100 Jahren zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Damit riskiert er weitere Verwerfungen im Verhältnis zur türkischen Regierung in Ankara, schreibt die Süddeutsche Zeitung.
Die Armenier seien "zu Hunderttausenden Opfer von geplanten und systematischen Mordaktionen geworden", sagte das Staatsoberhaupt. Und weiter: "Das Schicksal der Armenier steht beispielhaft für die Geschichte der Massenvernichtungen, der ethnischen Säuberungen, der Vertreibungen, ja der Völkermorde, von der das 20. Jahrhundert auf so schreckliche Weise gezeichnet ist". An anderer Stelle verwendete er den Begriff des Völkermords noch deutlicher. Auch wir Deutsche müssen "uns noch der Aufarbeitung stellen, wenn es nämlich um eine Mitverantwortung, unter Umständen sogar Mitschuld, am Völkermord an den Armeniern geht".
Der türkische Ministerpräsident indes hat sich bei Bundeskanzlerin Merkel beschwert und kritisiert, dass auch der Bundestag die Massaker an den Armeniern als Völkermord bezeichnen will. Das hat er in der heutigen Debatte mehrfach getan.
Nachdem sich der Deutsche Bundestag am gestrigen Freitag getraut hat, sich den Worten des Bundespräsidenten anzuschließen, ließen die erwarteten verärgerten Reaktionen aus Ankara nicht lange auf sich warten. tagesschau.de meldet am heutigen Samstag (25. April), dass das Außenministerium Gauck mit scharfen Worten kritisiert hat: "Das türkische Volk wird dem deutschen Präsidenten seine Aussagen nicht vergessen und nicht verzeihen".