22. März 2016

Vor der Politik bewahrt

Wie seit vielen Jahren sattsam bekannt, war es der "ach so charmante" Altkanzler Schröder (SPD), der den Juraprofessor und ehemaligen Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof (TiB-Gast im Juni 2013) mit "dieser Professor aus Heidelberg" herabzuwürdigen versuchte. Das aber ist ihm mitnichten gelungen. In einem Interview mit dem ZEITmagazin äußerte Kirchhof neulich: "Professor aus Heidelberg zu sein ist eine Ehre, die ich damals wie heute genieße". Er vergleicht diese Kennzeichnung mit der Kennzeichnung "Made in Germany". Auch sie war einmal negativ gemeint, nämlich als Warnung der Siegermächte, keine deutschen Waren zu kaufen. Inzwischen sei daraus ein Qualitätssignum geworden.

Obwohl er einst einen Platz in Merkels Schattenkabinett hatte, wurde er dann doch nicht Finanzminister in der Großen Koalition. Gefragt, wie er die Niederlage weggesteckt habe, diese Antwort Kirchhofs: "Der Wähler hat den Weg für die Große Koalition geebnet und mich sozusagen vor der Politik bewahrt. Nun genießen wir unser Leben in Heidelberg". Gleichwohl hätte er sich aber "mit ganzer Kraft für ein besseres Steuerrecht" eingesetzt.

Kirchhof zeigt sich schließlich zuversichtlich, dass es ihm gelungen ist, seine Erfahrungen an die jüngeren Generationen weiterzugeben. Immer wieder habe er ganz bewusst Vorlesungen vor Erstsemestern gehalten, um ihnen die Grundkategorien unseres Verfassungsstaates ins Gedächtnis einzuprägen. Die da wären: "Freiheit, Selbstverantwortlichkeit, Gemeinschafts- zugehörigkeit, aber auch Europa- und Weltoffenheit". Heute begegne er überall früheren Schülern von sich, die in guten Juristenpositionen nach diesen Grundsätzen arbeiten und entscheiden.