Nach ihrer desaströsen Wahlschlappe bei der vorgestrigen Bundestagswahl, die der SPD mit nur 20,5 Prozent das schlechteste Ergebnis der gesamten Nachkriegsgeschichte einbrachte, steht die traditionelle Volkspartei - kaum zu glauben, aber wahr - vor der Existenzfrage. Was ist jetzt zu tun? lautet die aktuelle Gretchenfrage. Wahlkampfexperte Frank Stauss (TiB-Gast im März 2016) erklärte in der BERLINER MORGENPOST, was die älteste Partei Deutschlands aus der Schlappe lernen kann, um politisch bald wieder auf die Beine zu kommen.
Seit über 20 Jahren begleitet Stauss die Wahlkämpfe der Partei. Er war u.a.bereits für Schröder, Steinmeier, Kraft und Wowereit im Einsatz. Für den Wahlkampf zur letzten Bundestagswahl hatte er vorzeitig abgesagt.
Stauss ist überzeugt, dass die Kanzlerkandidatur früher und nicht erst 8 Monate vor der Wahl hätte entschieden werden müssen. Falsch war in seinen Augen auch die Orientierung an traditionellen Wahlverhaltensmustern nach dem Motto "Die Arbeiter wählen dieses, die Jungen dieses, die Rentner wählen so, auf dem Land wählt man so und so wählt man in der Stadt." Am wichtigsten ist nach Stauss' Meinung, dass sich die SPD neue moderne, junge Wählerschichten erschließt. Gleichzeitig muss sie jenen, die am skeptischsten sind, einen Weg zeigen, wie ein modernes und erfolgreiches Deutschland, gerade durch die Veränderungen in der Arbeitswelt, auch ein sicheres Deutschland sein kann, was die Arbeitsplätze angeht. Dieses Thema habe im Wahlkampf überhaupt keine Rolle gespielt. Und der Unterschied zum Angebot der Union sei nicht groß genug gewesen.