Unser TiB-Gast von Oktober 2015, Oberstarzt a.D. der Bundeswehr, Buchautor und Aktivist Dr. Reinhard Erös (72) kennt Afghanistan so gut wie kaum ein anderer. Augsburger Allgemeine/Allgäuer Zeitung brachten kürzlich einen großen Artikel über ihn. Dabei geht es um drohende Pandemie-Folgen, seine Hilfsprojekte und die zu befürchtende Rückkehr der Taliban an die Macht in dem geplagten Land am Hindukusch. Seit Jahrzehnten ist es Schauplatz von Kriegen und Terroranschlägen. Wie ein unheilbar sich ausbreitendes Krebsgeschwür ist die Korruption allüberall allgegenwärtig.
Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass Experten der Vereinten Nationen mit Nachdruck davor warnen, dass sich das Coronavirus in diesem geschundenen Land ungebremst verbreiten könnte. Ob am Hindukusch eine Pandemie droht, diese Frage kann auch Erös nicht beantworten. Er verweist zwar auf offizielle Zahlen der Regierung (800 positiv Getestete, zwei Dutzend Verstorbene), schätzt aber die Aussagekraft solcher Angaben als gering ein. Das Land habe nämlich kein flächendeckend funktionierendes Gesundheitssytem. Und so etwas wie ein Robert-Koch-Institut gebe es schon gleich ganz und gar nicht. Der ausgebildete Arzt hofft, dass die Abgeschiedenheit vieler Provinzen die massenhafte Ansteckung mit dem Virus verhindern kann. "70 bis 80 Prozent der Menschen leben in Dörfern, in die sich kaum jemand verirrt". Weder Starkbierfeste noch Karneval würden dort gefeiert werden.
Eine Entwicklung verfolgt der mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnete Erös jedoch mit großer Sorge: "Als größte Gefahr für die Ausbreitung der Virenkrankheit gilt die Rückkehr von mehr als 200 000 Afghanen, die im Iran als Flüchtlinge und Hilfsarbeiter gelebt haben. Darunter dürften sich tausende Infizierte befinden. Im Iran ist das Virus relativ weit verbreitet". Bei ihrer Suche nach Arbeit würden die Rückkehrer vorrangig in die Großstädte Kabul und Herat ziehen.