Volle vier Monate, das ist ein Drittel Jahr, sind jetzt seit der Bundestagswahl am 24. September vergangen und Deutschland hat es noch immer nicht geschafft, eine neue Bundesregierung in die Spur zu stellen. Wie lange es noch dauern wird, das steht in den Sternen. In solch misslicher Situation hat Martin Sonneborn (52), der Vorsitzende der kleinen Splitterpartei (0,7 Prozent) Die PARTEI und Abgeordnete im EU-Parlament der LEIPZIGER VOLKSZEITUNG ein Interview gegeben, in dem er einen Vorschlag unterbreitet, wie der Misere, die sich zu einer latenten Regierungskrise auszuweiten droht, Abhilfe geschaffen werden könnte.
Sonneborn (TiB-Gast 2009) spricht sich für die Abschaffung der 5 Prozent-Sperrklausel aus, denn gäbe es sie nicht, wäre seine Partei Die PARTEI mit sieben Sitzen im Bundestag und könnte dann eine Sieben-Sitz-Minderheitsregierung anstreben. Käme es jetzt bald zu Neuwahlen, müsste seine satirische Spaßpartei aus dem Stand heraus in knapp zwei Monaten 30.000 Unterstützer-Unterschriften sammeln, um zugelassen zu werden und teilnehmen zu können. In der winterlichen Jahreszeit wahrlich kein leichtes Unterfangen.
Auf seiner Tour durch Ostdeutschland reist er als "bekennender Populist" durchs Land. Wie der "bayerische Schwachkopf Seehofer" trete er vor besoffenem Bierzelt-Publikum auf und gebe auf der Bühne "populistischen Unsinn" von sich. Einziger Unterschied: "Ich nehme Eintritt".
Als Mitglied der Delegation für die Beziehungen zur koreanischen Halbinsel äußerte sich der Satire-Politiker auch: "Ich halte Kim Jong Un für zurechnungsfähiger als Trump. Und auch für interessanter". In der Delegation betrachtet sich Sonneborn als Lernender, denn schließlich häufen sich die Hinweise auf ein paar gravierende Schwächen unserer Demokratie: der Brexit, die Wahl Trumps, die Erfolge der AfD.