Auf den 9. November 1938 rückblickend, der sich letzten Donnerstag zum 79. Mal jährte, sagte Alt-Bundespräsident Joachim Gauck (77), der als damals noch nicht gewählter Fast-Bundespräsident im März 2011 TiB-Gast von Bernd Dassel war: "Wer Bürger dieses Landes ist, muss sich erinnern". Wie die Augsburger Allgemeine berichtete, beschwor Gauck bei seiner Gedenkrede in der Augsburger Synagoge die Lehren aus der Reichspogromnacht, die damals den Holocaust eröffnete.
Der Alt-Bundespräsident verurteilte eine neue Welle von Fanatismus, Nationalismus und Antisemitismus und betonte in der voll besetzten Synagoge: "Wir wollen kein Ort von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sein. Unsere Enkel", so Gauck weiter, "mögen keine persönliche Schuld empfinden, aber sie sollten wissen, was in diesem Land geschehen ist. Wir werden nicht dulden, dass auf den Schulhöfen der Begriff Jude wieder ein Schimpfwort wird". Dass es nach dem Holocaust überhaupt wieder jüdisches Leben in Deutschland gibt, bezeichnete der 1940 geborene Hanseate als ein Geschenk, "eigentlich eine Gnade".
Der in Augsburg anwesende 90-jährige Rabbiner Henry G. Brandt erlebte die Reichskristallnacht selbst in München. Für ihn sei der 9. November 1938 ein Datum, an dem "der Teufel aus der Hölle in Gestalt der Nazis erstmals deutlich sichtbar der Welt seine hässliche Fratze präsentierte".